Crescentino - Vercelli in Piemonte
Es ist sichergestellt, dass im Gebiet, das mit „al palazzo“ („am Palast“) bezeichnet wurde, dort wo sich heute das „Santuario della Madonna del Palazzo“ befindet, während Grabungsarbeiten ein Urnengrab und Überreste von antiken Grundmauern aus groben, mit Kalk vermischten Steinen gefunden wurden. Der Tradition nach beherbergte dieser Ort im römischen Zeitalter ein wahres „palacium“, das zur Verteidigung auf jener Straße diente, an der die Dora Baltea und der Po zusammenfließen. Genau hier soll eine der ältesten Pfarren der Eusebianischen Diözese entstanden sein, die der Jungfrau geweiht war, und auf deren Fundament im 16. Jahrhundert die jetzige Wallfahrtskirche der „Madonna del Palazzo“ errichtet wurde. Die mittelalterliche Geschichte von Crescentino beginnt offiziell 1242 mit der Errichtung des Freiortes seitens der Gemeinde von Vercelli. Der Name verweist jedoch auf einen älteren Ursprung: Er ist nämlich die Verniedlichungsform des lateinischen Namens Crescens, der in den Gebieten von Novara und Biella sehr weit verbreitet war und insbesondere der Knechtschaft zugeschrieben wurde. 1310, schaffte Kaiser Heinrich VII. während seiner Italienreise den von Vercelli abhängigen Freiort ab und überließ ihn seinem Anhänger Riccardo Tizzoni. Nach dem Einfluss der Savoyer im 15. Jahrhundert wurde der Ort zu einem Bollwerk, doch nach der Eroberung durch die Franzosen wurden zu Beginn des 18. Jahrhunderts seine Mauern geschleift.
Aus dem Mittelalter blieb vom antiken Ort nur die urbanistische Anlage als umgebenes „castramentum“ bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts innerhalb des Gebiets der Läufe der Gerinne erhalten. Das neuralgische Zentrum des Ortes ist die „Piazza Vische“, die auch als „Piazza della Torre“ bezeichnet wird, auf der bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts der Palast der Familie Tizzoni stand, der bei einem Brand 1529 zerstört wurde. Die Bezeichnung des Ortes als „canavesano di Vische“ geht auf das 17. Jahrhundert zurück und galt der Ehrerbietung der Allianz zwischen den Crescentinern und den Vischesern in den Kämpfen gegen die jeweiligen Feudalherren. Der Stadtturm („Torre Civico“), mit quadratischem Grundriss, wurde zwischen Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts erbaut. Charakteristisch sind seine acht großen Fenster mit Bögen doppelter Spannweite, die im äußeren Teil zu Spitzbögen tendieren. In der Glockenstube befindet sich die größte Glocke der Provinz Vercelli: die sogenannte „Crescentina“, die ein Gewicht von 25 Doppelzentnern hat. Sie wurde von den Brüdern Mazzola di Valduggia gegossen und vom Priester von „San Grisate“, Don Giuseppe Bianco, 1958 der Stadt geschenkt. Auf der Piazza, auf dem bis zum 15. Jahrhundert der wöchentliche Markt abgehalten wurde, kann man die Fassade der Pfarrkirche „ Parrocchiale della Beata Vergine Assunta“ bewundern, die in ihrer ursprünglichen Form im 13. Jh., zur gleichen Zeit, als der Freiort geschaffen wurde, errichtet wurde.
Ihr ursprüngliches Gebäude war im Besitz der Gemeinde und wurde 1546 wieder aufgebaut, um die aus den Kämpfen zwischen Franzosen und Spaniern erlittenen Schäden zu beheben. Ihr Chorraum wurde 1580 unter der Oberaufsicht des großen Turiner Meisters Antonio Botolo fertig gestellt. Der alte Glockenturm wurde zerstört und 1906 nach den Plänen des Architekts Canetti neu errichtet; und eine Gesamtrestaurierung erfolgte 1927 unter dem Turiner Architekten Giovanni Silvestrini. Die Kirche hat einen rechteckigen Grundriss und ist in drei Schiffe untergliedert, in denen sich vier Seitenaltare aus weißem Marmor befinden, die aus dem 19. Jahrhundert vom Bildhauer Antonio Baggiani stammen, außer der Taufkapelle mit einem Becken aus Holz und achteckiger Grundform. Geht man weiter auf der rechten Seite, kann man den Marmoraltar von „San Crescentino“ bewundern, in dessen Innerem in einer Silberurne von 1678 die Relikte von zwei Märtyrern aufbewahrt werden, die während Grabungsarbeiten in Rom in den Katakomben von „Santa Ciriaca“ (1660) entdeckt wurden. Weiters sieht man den Altar von „San Filippo Neri“, mit einem Gemälde auf Leinwand eines unbekannten Künstlers, das „Die Begeisterung des Heiligen Franziskus“ darstellt, den Altar des „Suffragio“ bzw. der „Anime Purganti“ („Büßerseelen“) mit dem Gemälde der „Madonna del Carmine“ von Amedeo Augero di Verolengo (1858) und den Altar der „Santissima Vergine del Rosario“, dessen Altarbild Guglielmo Caccia, auch der „Moncalvo“ genannt (1568 ca. – 1625). Der Hochaltar ist in barockem Stil (1723), darüber hängt ein großes Altarbild der Himmelfahrt von C. F. Beaumonnt (1694 – 1766), das 1743 erworben wurde. Die Dekorationen der Gewölbe gehen auf den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. Geht man aus der Pfarrkirche hinaus, und wirft man dann einen Blick auf die mittelalterliche Anlage der Bogengänge der Via Mazzini auf Höhe der Häuser Caretto und Graziano, führt die Route weiter entlang der Via Dappiano, die im Norden an die Pfarrkirche angrenzt. Dort befindet sich die Bruderschaft „Confraternita di San Bernardino“, die älteste der Crescentiner Bruderschaften, die bereits 1286 bestätigt wurde.
Das Gebäude stammt vom Beginn des 16. Jahrhunderts, von dem noch Spuren am Glockenturm zu erkennen sind, und wurde zwischen Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts neu aufgebaut. An den Außenwänden ist die ursprüngliche Ziegelanordnung noch erhalten; das Eingangsportal aus Holz ist von örtlichen Schnitzern Anfang des 18. Jahrhunderts gefertigt worden. Der Innenraum ist linear und entlang der Seitenwände mit zwei Korridoren ausgestattet, die an die Emporen im romanisch-gotischen Stil erinnern. Der Freskenzyklus über das Leben des Heiligen Josef wurde von Carlo Martini (1860) geschaffen, aber die Gemälde von größtem Wert befinden sich an der Wand hinter dem Altar: links die „Natività“ von Moncalvo (1589), in der Mitte die „Krönung der Jungfrau“ von Carlo Orazio Sacco, Schüler von Moncalvo (1608) und rechts „San Giovanni Evangelista“ von Giovanni Battista Cairo di Casal Monferrato (1654). Bevor man den Ort verlässt, sollte man noch der Friedhofskirche von „San Pietro“ (Hl. Petrus) einen Besuch abstatten. Sie wurde zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert von den Benediktinermönchen von San Genuario in romanischem Stil erbaut, damit sich die Gläubigen des angrenzenden Ortes dort versammeln konnten, was als „Casalis Archoati“ (ländliches Zentrum, rund um die Kirche angelegt) bestätigt wurde.
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